Zu Beginn des 20.ten Jahrhunderts für Baronin Béatrice Ephrussi de Rothschild erbaut, zeugt diese außergewöhnliche Residenz von der künstlerischen und architektonischen Lebendigkeit der Belle Époque. Heute beherbergt sie eine bemerkenswerte Sammlung von Möbeln, Gemälden, Wandteppichen und Porzellanen, präsentiert im Herzen eines sieben Hektar großen Anwesens.
Eine ikonische Villa der Belle Époque
Das Projekt von Béatrice Ephrussi de Rothschild
1864 geboren, wuchs Béatrice de Rothschild in einer Familie von Sammlern und Mäzenen auf. Als Tochter von Baron Alphonse de Rothschild, Regent der Banque de France, entwickelte sie schon früh eine Leidenschaft für die schönen Künste, antike Möbel und kostbare Objekte.
1905, von der noch wilden Schönheit des Cap Ferrat bezaubert, erwarb sie ein sieben Hektar großes Grundstück auf dem schmalsten Teil der Halbinsel. Von dieser privilegierten Lage aus genießt das Anwesen freie Ausblicke auf das Meer, mit der Bucht von Villefranche im Westen und der Bucht von Beaulieu im Osten.
Béatrice wollte dort ein Haus errichten lassen, das ihre Sammlungen aufnehmen und zugleich ihre Vorliebe für italienische Architektur, dekorative Künste und Gärten ausdrücken sollte. Ursprünglich Villa Île-de-France genannt, verdankt das Anwesen seinen ersten Namen einem Ozeandampfer, verbunden mit der Erinnerung an eine für die Baronin besonders prägende Reise.
Eine gewaltige Baustelle zwischen 1907 und 1912
Die Anlage des Anwesens stellte eine echte technische Herausforderung dar. Das felsige Gelände musste eingeebnet und neu modelliert werden, um die Villa und die künftigen Gärten aufnehmen zu können. Große Mengen Erde wurden auf den Cap gebracht, während bestimmte Teile des Bodens gesprengt wurden.
Die Arbeiten an dem Haus begannen 1907 und wurden 1912 abgeschlossen. Béatrice Ephrussi de Rothschild zeigte sich besonders anspruchsvoll und konsultierte mehrere Architekten, bevor das Projekt seine endgültige Form annahm. Marcel Auburtin erarbeitete insbesondere die Gesamtpläne, während Aaron Messiah eine entscheidende Rolle bei der Ausführung und der architektonischen Entwicklung des Gebäudes spielte.
Die Baronin bezog daraufhin ihre Winterresidenz in der Villa. Sie hielt sich dort regelmäßig rund zehn Jahre lang auf und teilte ihre Zeit zwischen Saint-Jean-Cap-Ferrat, Paris, Monaco und Deauville auf.
Eine von der italienischen Renaissance inspirierte Architektur
Die Villa Ephrussi de Rothschild schöpft ihre Inspiration aus den großen Palästen von Florenz und Venedig. Die Fassaden verbinden Bezüge zur Florentiner Renaissance, zur venezianischen Architektur und zu französischen Adelssitzen des 18.e Jahrhunderts.
Diese Vielfalt an Einflüssen erzeugt dennoch keinen Eindruck von Unordnung. Die Volumen, Loggien, Arkaden und Säulen bilden ein ausgewogenes Ensemble, das weit geöffnet ist zu den Gärten und zum Mittelmeer.
Hinter diesem historischen Erscheinungsbild verfügte die Villa schon bei ihrer Errichtung über für ihre Zeit besonders moderne Ausstattungen: Elektrizität, Zentralheizung, Aufzug und Telefon. Auch Stahlbeton wurde für bestimmte Fassadendekorationen verwendet, wodurch sich alte Bezüge und zeitgenössische Bautechniken verbinden ließen.
Zusammen mit ihren Gärten als historisches Denkmal eingestuft, ist das Anwesen heute ein bedeutendes Zeugnis der Ferienarchitektur, die an der Riviera zu Beginn des 20.e Jahrhunderts entstand.
Innenräume, die für eine Sammlerin entworfen wurden
Im Inneren offenbart die Villa die persönliche Welt von Béatrice Ephrussi de Rothschild. Das zentrale Patio, die großen Salons und die Privatgemächer sind wie Schatullen gestaltet, in denen ihre Werke und Kunstobjekte zur Geltung kommen sollen.
Die Dekoration folgt dem, was man bisweilen als «Rothschild-Stil» bezeichnet: eine Auswahl der bemerkenswertesten Stücke verschiedener Epochen, zusammengeführt eher nach ihrer Qualität als nach einer strengen historischen Einheit.
Besucher entdecken unter anderem Möbel großer Ebenisten des 17.e und 18.e Jahrhunderts, Wandteppiche, Gemälde, Skulpturen, asiatische Objekte sowie bedeutende Sammlungen von Porzellan aus Sèvres, Sachsen und Meissen. Werke oder Dekore, die mit François Boucher, Tiepolo, Fragonard und mehreren europäischen Schulen verbunden sind, vervollständigen dieses Ensemble.
Die Blickachsen wurden so konzipiert, dass ein ständiger Dialog zwischen den Räumen, den Gärten und dem Meer entsteht. Von mehreren Salons aus reicht der Blick daher durch die Innenräume hindurch und setzt sich zu den Bassins, Terrassen und der mediterranen Vegetation fort.
Die neun Gärten der Villa Ephrussi de Rothschild

Die Villa ist von neun Themengärten umgeben: dem französischen Garten, dem spanischen Garten, dem Florentiner Garten, dem Sèvres-Garten, dem Steinfiguren-Garten, dem japanischen Garten, dem exotischen Garten, dem provenzalischen Garten und dem Rosengarten.
Ihre heutige Gestaltung ist das Ergebnis mehrerer Ausbauphasen. Béatrice Ephrussi de Rothschild schenkte dem Hauptgarten und den großen Perspektiven des Anwesens besondere Aufmerksamkeit. Nach ihrem Tod entwickelte und reorganisierte der Landschaftsgestalter Louis Marchand mehrere Themengärten. Weitere Bereiche wurden im 20.e Jahrhundert und zu Beginn des 21.e Jahrhunderts noch verändert oder restauriert.
Der französische Garten
Unmittelbar an die Villa anschließend, bildet der französische Garten die Hauptachse des Anwesens. Er ist um Rasenflächen, Bassins, Wasserfälle und einen Kanal angelegt, der zum Tempel der Liebe führt.
Béatrice stellte ihn sich als Deck eines Schiffs vor. Von der Loggia aus erscheint das Meer auf beiden Seiten des Anwesens und verstärkt den Eindruck, dass Villa und Gärten ins Mittelmeer hinausragen. Olivenbäume, Zypressen, Aleppo-Kiefern, Palmen und große, von der italienischen Renaissance inspirierte Vasen strukturieren diese Komposition.
Die Wasserspiele und Brunnen prägen noch heute den Rundgang und tragen wesentlich zur Identität des Ortes bei.
Der spanische Garten und der Florentiner Garten
Der spanische Garten präsentiert sich als intimerer Bereich, der um einen von Vegetation gesäumten Kanal herum angelegt ist. Jasmin, Bougainvillea, Geißblatt, Granatapfelbäume und duftende Pflanzen erinnern an die Patios und Gärten Andalusiens.
In der Nähe zeichnet sich der Florentiner Garten durch seine Zypressenallee und seine hufeisenförmige Treppe aus. Seine strenge Anordnung und seine Skulpturen erinnern an die Gärten toskanischer Villen der Renaissance.
Der Steinfiguren-Garten
Der schattigere Steinfiguren-Garten beherbergt architektonische Elemente, Flachreliefs und Wasserspeier aus verschiedenen Epochen. Inmitten einer Unterholzvegetation angeordnet, bilden diese Fragmente einen geheimnisvollen Raum, zwischen romantischem Garten und archäologischer Sammlung.
Der japanische Garten
Der heutige japanische Garten, Cho-Seki-Tei genannt, wurde 2003 angelegt. Sein Name lässt sich als der „Garten, in dem man ruhig dem angenehmen Rauschen der Wellen in der Dämmerung lauscht“ übersetzen.
Er vereint verschiedene japanische Landschaftstraditionen rund um trockene, wasserbezogene und bergige Gärten. Felsen, Becken und Vegetation schaffen dort eine Atmosphäre, die zur Kontemplation einlädt.
Der exotische Garten und der Rosengarten
Früher als mexikanischer Garten bezeichnet, vereint der exotische Garten eine große Vielfalt an Sukkulenten, Kakteen, Aloen und Wolfsmilchgewächsen. Durch den Frost von 1985 schwer beschädigt, wurde er seither dank neuer Pflanzensammlungen wieder aufgebaut.
Der Spaziergang führt weiter zum Rosengarten am äußersten Ende des Anwesens. Alte Rosen, moderne Sorten, Kletterrosen und buschige Rosen entfalten sich dort mit Blick auf das Meer.
Der provenzalische Garten
Der provenzalische Garten hebt die für die mediterrane Landschaft charakteristischen Pflanzen hervor. Olivenbäume, Kiefern, Pistaziensträucher, Rosmarin, Lavendel, Zistrosen und Strohblumen säumen seine Wege.
Naturnaher als die um die Villa angelegten Gärten erinnert er an die ursprüngliche Vegetation des Cap Ferrat und bietet zahlreiche Ausblicke auf die Küste.
Vom Privathaus zum Museum
Vor ihrem Tod vermacht Béatrice Ephrussi de Rothschild die Villa, ihre Gärten und ihre gesamte Sammlung der Académie des beaux-arts – zum Andenken an ihren Vater Alphonse, der dort Mitglied gewesen war.
Das Vermächtnis umfasst das sieben Hektar große Anwesen sowie rund 5.000 Kunstwerke und Objekte aus ihren verschiedenen Residenzen. Die Villa wird so zu einem Museum, das den Geist eines Sammlerhauses aus der Belle Époque bewahren soll.
Die Villa Ephrussi de Rothschild ist weiterhin Eigentum der Académie des beaux-arts, die 2023 die direkte Verwaltung übernommen hat.
Die Villa Ephrussi de Rothschild besuchen
Für den Besuch der Villa und ihrer Gärten benötigt man in der Regel etwa zwei Stunden. Ein halber Tag ermöglicht es jedoch, die verschiedenen Bereiche, Aussichtspunkte und das auf dem Anwesen eingerichtete Teesalon entspannter zu genießen.
Es werden Audioguides in mehreren Sprachen angeboten. Eine Online-Reservierung wird empfohlen, insbesondere in Zeiten mit hohem Besucherandrang. Da sich Öffnungszeiten, Eintrittspreise und eventuelle außergewöhnliche Schließungen ändern können, empfiehlt es sich, vor der Anreise die offiziellen Informationen zu prüfen.
Wie gelangt man zur Villa?
Die Villa Ephrussi de Rothschild befindet sich in der Avenue Ephrussi de Rothschild 1 in Saint-Jean-Cap-Ferrat, etwa zehn Kilometer von Nizza und Monaco entfernt.
Sie ist mit dem Auto über die Basse Corniche erreichbar. Ein kostenloser Parkplatz steht vor Ort je nach Verfügbarkeit zur Verfügung.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln können Besucher die Buslinie 15 bis zur Haltestelle „Passable – Rothschild“ oder die Linie 607 bis „Pont Saint-Jean“ nehmen. Vom Bahnhof Beaulieu-sur-Mer aus ist es zudem möglich, den Weg zu Fuß oder mit dem Bus fortzusetzen.
Ein Symbol der Lebensart in Saint-Jean-Cap-Ferrat
Die Villa Ephrussi de Rothschild ist nicht nur ein historisches Denkmal. Sie erzählt auch von der Entwicklung Saint-Jean-Cap-Ferrats zu einem der renommiertesten Wohnorte am Mittelmeer.
Seit der Belle Époque zieht die Halbinsel große europäische Familien, Industrielle, Künstler und Sammler an, die von ihrer Diskretion, ihrem Klima und der Schönheit ihrer Landschaften begeistert sind. Zahlreiche Anwesen entstehen damals inmitten weitläufiger Güter mit Blick auf die Buchten von Villefranche und Beaulieu.
Durch ihre Lage, ihre Architektur und ihren ständigen Dialog mit dem Meer verkörpert die Villa Ephrussi de Rothschild bis heute diese anspruchsvolle Vorstellung vom Lebensstil an der Côte d’Azur: eine Verbindung von Kulturerbe, Natur, Eleganz und Intimität.
Ein unverzichtbarer Besuch an der Côte d’Azur
Hoch über dem Mittelmeer auf den Anhöhen von Saint-Jean-Cap-Ferrat gelegen, bietet die Villa Ephrussi de Rothschild einen Einblick in die erlesene Welt von Béatrice Ephrussi de Rothschild und der großen Sammler der Belle Époque.
Ihre Salons, ihre Sammlungen und ihre neun Gärten ermöglichen es, durch Epochen und künstlerische Einflüsse zu reisen, ohne die Halbinsel zu verlassen. Mehr als ein Jahrhundert nach ihrer Errichtung bleibt die Villa eines der schönsten Zeugnisse des architektonischen und landschaftlichen Erbes der Côte d’Azur.
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